Die dunkle Triade der Persönlichkeit im Berufskontext

von Dominik Schwarzinger

 

Drei psychologische Konstrukte erfuhren in den letzten Jahren eine große mediale Aufmerksamkeit hinsichtlich ihrer Auswirkungen im Berufs- und Wirtschaftsleben: Narzissmus, Machiavellismus und subklinische Psychopathie.

Diese sogenannte Dunkle Triade der Persönlichkeit besteht aus drei verwandten Merkmalen mit dem gemeinsamen Kern gering ausgeprägter Verträglichkeit, mangelnder Ehrlichkeit und fehlender Integrität. Ein selbstverliebter, charmanter und überzeugender interpersoneller Verhaltensstil kennzeichnet sowohl das Psychopathie-Konstrukt als auch Narzissten, Machiavellisten hingegen fehlt dieses Verhalten, sie zeichnen sich im Gegensatz gerade durch eine pragmatische, realistische Einstellung aus. Eine Gemeinsamkeit zwischen Psychopathen und Machiavellisten stellt demgegenüber deren emotional kalte, harte und rücksichtslose Persönlichkeit dar. Psychopathen schließlich weisen als Alleinstellungsmerkmal einen Verhaltens- und Lebensstil auf, der beispielsweise durch Lügen, Impulsivität, Verantwortungslosigkeit und dem Fehlen realistischer Ziele gekennzeichnet ist.

 

Führen dunkle Persönlichkeitseigenschaften zu beruflichem Erfolg?

Augenscheinlich subsumieren die genannten Merkmale einige der typischen Anforderungen an Top-Führungskräfte: ein überzeugendes und selbstbewusstes Auftreten, Härte, Durchsetzungsfähigkeit und Abgebrühtheit. Zudem wurde die Dunkle Triade auch mit dem Streben nach persönlichem Erfolg, Leistung und Macht in Zusammenhang gebracht. Und durch ein überproportional häufiges Vorkommen unter Top-Managern sogar mit Führungserfolg. Auch für enge, isoliert betrachtete Erfolgs-Kriterien wie Verhandlungserfolge, dem erzielten Gehalt oder erreichten Führungspositionen zeigten einzelne Studien positive Effekte. Bezüglich globalem Berufs- und Führungserfolg wurde metaanalytisch allerdings keine Bestätigung gefunden, zu erst Genanntem im Gegenteil sogar schwach negative Beziehungen.

Die Forschungsergebnisse zur Dunklen Triade hinsichtlich beruflichem Erfolg sind daher differenziert zu betrachten, so wurden beispielsweise auch kurvilineare Zusammenhänge gefunden: eine mittlere bis leicht überdurchschnittliche Ausprägung von Narzissmus hat positive berufliche Effekte, hingegen bewirken Überausprägungen genau das Gegenteil.

Die berufsbezogenen Auswirkungen erhöhter Ausprägungen dunkler Persönlichkeitseigenschaften auf Dritte sind jedoch breit anerkannt durchweg als negativ einzuschätzen, was metaanalytisch belegte negative Beziehungen zu Organizational Citizenship Behavior und häufigere Durchführung von kontraproduktiven Verhaltensweisen am Arbeitsplatz bestätigen.


Wie kann die Dunkle Triade gemessen werden?

Entsprechend dem großen Risikopotenzial, das von der Dunklen Triade ausgeht, wächst in der organisationalen Praxis der Wunsch nach Messung dieser Merkmale für praktische Anwendungszwecke, wie beispielsweise zur Personalauswahl. Leider sind die Skalen und Items gängiger Verfahren zu invasiv und wenig akzeptabel in organisationalen Kontexten. Zudem sind einige Items und die Nähe zu klinischer Messung im Auswahlkontext auch als rechtlich bedenklich einzuschätzen. Gerade die subklinische Konzeption ist Voraussetzung für einen praktischen eignungsdiagnostischen Einsatz der Dunklen Triade, da klinische Verfahren als medizinische Diagnosen engen rechtlichen Grenzen unterworfen bzw. im Auswahlkontext in der Regel nicht erlaubt sind.

Zudem liegen für die traditionellen Messverfahren keine leicht zugänglichen und ausreichenden Informationen zu Entwicklung und Anwendung der Verfahren sowie Belege ihrer (berufsbezogenen) psychometrischen Qualität vor, was den Vorgaben der DIN 33430 widerspricht. Diese fordert überdies einen inhaltlichen Bezug zu erfolgskritischer Arbeitsausübung und die ausschließliche Erfassung arbeitsplatzbezogener Merkmale als Voraussetzung für den Einsatz eines Verfahrens zur Personalauswahl.

Um diesen Defiziten zu begegnen, wurde an der Universität Hohenheim die TOP – Dark Triad of Personality at Work – mit dem Ziel entwickelt, die Eigenschaften der Dunklen Triade der Persönlichkeit berufsbezogen und psychometrischen Standards entsprechend zu erfassen. Das Verfahren misst daher nur die für das Berufsleben relevanten Aspekte der Dunklen Triade der Persönlichkeit durch explizit berufsbezogen formulierte Items. Nicht in der TOP berücksichtigt wird beispielsweise promiskuitives Sexualverhalten, das Teil des vollständigen theoretischen Psychopathie-Konstrukts ist oder die physische Eitelkeit eines Narzissten. Die Testentwicklung wurde explizit vor dem Hintergrund des beruflichen Kontexts vorgenommen alle Entwicklungs- und Validierungsstudien an Personen mit Berufserfahrung durchgeführt. Validierungsstudien belegen die Zusammenhänge der TOP zu eignungsdiagnostisch relevanten Kriterien. In Akzeptanzuntersuchungen wurde die TOP bezüglich der Wahrung der Privatsphäre und der Augenscheinvalidität besser als gängige, nicht berufsbezogene Triade-Verfahren und ihre Angemessenheit zu Personalauswahlzwecken als höher eingeschätzt.


Mit der TOP steht damit erstmalig ein inhaltlich wie psychometrisch geeignetes und rechtlich, sowie aus Akzeptanzgesichtspunkten unproblematisch in der Personalpraxis einsetzbares Messinstrument für die Dunkle Triade der Persönlichkeit zur Verfügung. af

 

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TOP – Dark Triad of Personality at work

  • In den letzten Jahren erfahren drei klassische psychologische Konstrukte eine grosse mediale Aufmerksamkeit bezüglich ihrer Auswirkungen im Berufs- und Wirtschaftsleben – Narzissmus, Machiavellismus und subklinische Psychopathie. Entsprechend ihrem grossen Risikopotenzial bieten sie eine Reihe bedeutender praktischer Anwendungszwecke beispielsweise zur Personalauswahl. Durch explizit berufsbezogen formulierte Items, die Durchführung aller Entwicklungs- und Validierungsstudien an Personen mit Berufserfahrung und der Validierung im organisationalen Kontext für personalpsychologisch relevante Kriterien, steht mit der TOP erstmalig ein inhaltlich wie psychometrisch geeignetes und rechtlich, sowie aus Akzeptanzgesichtspunkten unproblematisch in der Personalpraxis einsetzbares Messinstrument für die Dunkle Triade der Persönlichkeit zur Verfügung.

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