Psychologie im Schulalltag


Soeben ist der erste Band der neuen Reihe "Psychologie im Schulalltag erschienen", deren Ziel es ist, psychologisches Wissen für die Schule nutzbar zu machen.

Wir haben mit dem Herausgeber-Team der Reihe über das Konzept und die Inhalte der Reihe gesprochen.


Wie ist die Idee zur Reihe entstanden?

Caterina Gawrilow: Die Idee zur Reihe gab es schon seit längerer Zeit, denn es fehlte unserer Ansicht nach bisher eine entsprechende Reihe auf dem deutschen Buchmarkt: informative, regelmäßig erscheinende Büchlein, die knapp - aber dennoch verständlich - aktuelle Themen der Schulpsychologie aufgreifen und für Lehrkräfte und alle anderen, die am Schulleben beteiligt sind, aufbereiten.

Es gibt zwei Arten von Bänden - worin unterscheiden sie sich?

Marcus Hasselhorn: Neben gutem Unterricht wird in den letzten Jahren immer mehr auch die individuelle Förderung von den Schulen gefordert. Hierfür muss der Blick auf das einzelne Individuum geschärft werden, und daher nimmt ein Teil der Bände genau diese Perspektive ein. Aber natürlich gibt es in der Schule auch weit über die Individualperspektive hinausgehende Herausforderungen, die die Betrachtung der Lernumgebungen, der Klassen- und Schulorganisation sowie der Belastungsbewältigung erfordern. Auch hierbei kann die Psychologie Hilfestellungen geben - und genau das tun die anderen Bände der Reihe.


Richtet sich die Reihe vorwiegend an Berufsanfänger?

Stefan Drewes: Die Reihe wendet sich an alle Praktiker in der Schule, die psychologisches Wissen im schulischen Alltag nutzen wollen, um ihr pädagogisches Handeln angemessen zu entwickeln. Es können also sowohl Berufsanfänger als auch erfahrene psychologische und pädagogische Fachkräfte in Schulen profitieren, die konkrete Anregungen für die berufliche Praxis suchen.


In der Reihe werden z.T. recht "klassische" Themen wie ADHS oder LRS behandelt. Was unterscheidet die Reihen-Bände von anderen Publikationen?

Ulrich Trautwein: Im Unterschied zu anderen Publikationen steht bei dieser Reihe immer im Vordergrund, wie man vor Ort, also in Schulen bzw. in Zusammenarbeit mit Schulen, mit psychologisch relevanten Themen umgeht. In anderen Werken zu "klassischen" Themen wie ADHS oder LRS wird oftmals die Frage, ob und wie (Entwicklungs-)Störungen in der Schulpraxis systematisch diagnostiziert werden können und welche schulbezogenen Interventionen sich als effektiv erweisen, gar nicht thematisiert. Dieser explizite Schulbezug charakterisiert unsere neue Reihe, die spezifisch konzipiert ist für Personen, die tagtäglich mit Schule zu tun haben.

Unterrichten ist eine anspruchsvolle Tätigkeit und erfordert bereits die ganze Aufmerksamkeit der Lehrkraft - wieso sollte sie sich zusätzlich auch noch mit psychologischen Themen beschäftigen?

Marcus Hasselhorn: Der Schulalltag von Lehrkräften und anderen Berufsgruppen, die im System Schule aktiv sind, ist von hohem Handlungsdruck geprägt. Da kann in der Tat das Gefühl auftreten, dass keine Zeit ist, um sich gezielt fortzubilden. Wenn aber bestimmte alltägliche Probleme immer wieder auftreten, dann suchen die Fachkräfte nach Rat - und zwar ganz konkret für die Problematik, die sie besser in den Griff bekommen wollen. Hier setzen die Bände unserer Reihe an. Sind sie im Lehrerzimmer vorhanden, kann man sich schnell und gezielt Hilfe holen.


Häufig sind Lehrkräfte zwar die erste Kontaktperson, die eigentliche Intervention (Behandlung/Therapie) können sie aber nur anbahnen. Finden sich in den Büchern Hinweise auf konkrete Anlaufstellen?

Christina Schwenck: Selbstverständlich können Lehrkräfte nicht alle Interventionen übernehmen. Entscheidend ist aber, dass sie problematische Verhaltensweisen ihrer Schüler als solche erkennen, wissen, wie sie sie einordnen und ansprechen können, und wie konkrete Hilfe eingeleitet werden kann, sei es im schulischen Umfeld oder in einer darüber hinausgehenden Behandlung. Diese Informationen erhalten die Lehrkräfte in den einzelnen Bänden, und - wo immer möglich - auch Adressen, Links etc. zu externen Anlaufstellen.


Worauf achten Sie bei der Auswahl der Band-Autoren und -Autorinnen?

Caterina Gawrilow: Idealerweise setzt sich das Autorenteam aus praktisch tätigen Schulpsychologen und Wissenschaftlern zusammen. Somit soll gewährleistet werden, dass die Themen, trotz der Kürze der Bände, umfassend aufbereitet werden und die theoretisch und praktisch relevanten Informationen enthalten sind.


Wann hatten Sie zuletzt persönlichen Kontakt zu einer Lehrkraft?

Marcus Hasselhorn: Der Kontakt zu Lehrkräften, aber auch zu anderen Personen, die Verantwortung für das Gelingen von Schule haben, gehört bei mir zum beruflichen Alltag.

Ulrich Trautwein: Es gibt kaum eine Woche, in der ich keinen Kontakt zu Lehrkräften habe.

Stefan Drewes: Gestern, heute, morgen. Viele Jahre habe ich Schulen durch meine Tätigkeiten in einem Zentrum für Schulpsychologie unterstützt und vielfältige psychologische Angebote für Schulen und Lehrkräfte entwickelt. Seit 2017 steht die Digitalisierung und der Einsatz digitaler Medien in Unterricht und Schule im Fokus meiner Tätigkeit.

Christina Schwenck: Ich habe nahezu täglich Kontakt zu Lehrkräften und auch zu Lehramts-Studierenden.

 

Informieren Sie sich hier über unsere neue Buchreihe sowie Veranstaltungen zum Thema:

Psychologie im Schulalltag

 

  • Neue Buchreihe
  • Ressort Im Fokus
  • Ressort Schule und Entwicklung
  • Ressort Schule Testzentrale
  • Schulpsychologie

Weitere Artikel zu diesem Thema

Im Frühjahr 2017 erscheint im Hogrefe Verlag eine neue Buchreihe: Die Standards der Psychotherapie. Die Reihe ist an die bekannte und beliebte Reihe „Fortschritte der Psychotherapie“ angelehnt. Anders als bei der Fortschritte-Reihe stehen aber nicht Störungsbilder im Vordergrund, sondern Therapiemethoden und -techniken, wie z.B. die Exposition.

weiterlesen