Keine Wirkung ohne Nebenwirkung


Es ist immer eine Abwägung von Nutzen und Risiko. Ein Medikament wird gegen ein Symptom wie z.B. Schmerz eingesetzt. Der Preis für diese erwünschte Wirkung ist z.B. mögliches Sodbrennen oder gar eine Magenblutung. Man kann sich demnach für oder gegen den Einsatz des Medikaments entscheiden. Damit diese Entscheidung fundiert getroffen werden kann, sind gute Kenntnisse solcher Fakten vonnöten. Umso kleiner sind dann die Überraschungen.

Alle Patienten, die eine Arzneimitteltherapie erhalten, sind dem Risiko ausgesetzt, unerwünschte Arzneimittelwirkungen zu erleiden. Ärzte, die Medikamente verschreiben, erhalten entsprechend häufig solche Nebenwirkungsmeldungen. Weil nicht immer klar ist, woher die Nebenwirkung kommt, helfen Kenntnisse über die Reaktion der Nebenwirkung, dem Übeltäter auf die Spur zu kommen. Das kann in Situationen entscheidend sein, wo mehrere verschriebene und auch selbstgekaufte Arzneimittel im Spiel sind.

In verschiedenen Studien hat sich gezeigt, dass etwa 5% aller Spitaleintritte aufgrund von unerwünschten Arzneimittelwirkungen (UAW) bzw. Nebenwirkungen erfolgen. Man unterscheidet zwischen zwei Arten Nebenwirkungen: Typ-A-Reaktion, die in der Regel bei hoher Dosierung eines Arzneimittels auftreten, wie z.B. die Hypoglykämie (Unterzuckerung) unter Insulin oder Blutungen unter Antikoagulanzien (Blutverdünner). Die Typ-B-Reaktion ist seltener, sie basiert auf einer individuellen Überempfindlichkeit auf das Medikament, wie z.B. bei der Penicillin-Allergie [1].

Das Ziel ist es, solche UAW zu vermeiden. Das ist zum Teil möglich. Für bestimmte unerwünschte Arzneimittelwirkungen sind Risikofaktoren bekannt, die bei der Wahl und der Dosierung des Medikaments berücksichtigt werden können. Informationen darüber werden laufend zusammengetragen, beispielweise durch die gesetzliche Meldepflicht von Ärzten und Apothekern für schwere unerwünschte Arzneimittelwirkungen sowie für alle UAW bei neu eingeführten Medikamenten.


Hohes Risiko für ältere Menschen

Besonders gefährdet sind ältere Patienten. Eine Untersuchung konnte belegen, dass 66% aller UAW-Notfallhospitalisationen bei älteren Patienten durch die Einnahme von Antikoagulanzien, Insulin, Plättcheninhibitoren und oralen Antidiabetika erfolgen [2]. Das hat verschiedene Gründe.

Durchschnittlich nehmen Patienten über 65 Jahre vier bis acht Medikamente ein. Das Risiko für UAW steigt mit der Anzahl verschriebener Medikamente. Darüber hinaus verändert sich mit steigendem Alter die Körperzusammensetzung. Der Anteil an Wasser und Muskelmasse schrumpft, an ihre Stelle tritt Fett. Das erhöht die Halbwertszeit bzw. die Zeitspanne, in der die Medikamentenkonzentration im Blut auf die Hälfte abgesunken ist, von z.B. fettlöslichen Medikamenten wie z.B. Morphin oder Benzodiazepine (starke Schlafmittel).

Auch Erkrankungen, die im Alter häufiger vorkommen (Leber- und Nierenerkrankungen), wirken sich auf Medikamente aus. Weil beide Organe für die Ausscheidung von Medikamenten zuständig sind, ist diese im Krankheitsfall verringert und die Medikamente bleiben länger im Körper.
Zu guter Letzt trägt auch die fehlerhafte Einnahme der Medikamente zur Entwicklung von UAW bei.


Pflanzen alles andere als harmlos

Auch pflanzliche Arzneimittel können Ursache von schweren UAW sein. Ein Grund dafür ist beispielsweise, dass verklärt-romantische Vorstellungen, wonach "natürlich" gleichbedeutend wie "ungefährlich" ist, zu einer undifferenzierten Einnahme führen. Untersuchungen konnten zeigen, dass z.B. Johanniskraut, Ginkgo und Grapefruitsaft Wechselwirkungen mit anderen oft verschriebenen Medikamenten eingehen. Johanniskraut verändert z.B. Wirkungseigenschaften von Blutverdünnern und bestimmten Herzmedikamenten. Das kann durchaus relevant sein [3].


Nebenwirkung auf Sexualleben

Einige Medikamente beeinträchtigen als Nebenwirkung das Sexualleben. Bei vielen Psychopharmaka ist das der Preis für die erlangte innere Ruhe. Möglicherweise hilft hier eine Dosisreduktion oder ein Medikamentenwechsel. Aber auch einige Herz-Kreislauf-Medikamente wie Thiazide, bestimmte Betablocker oder Spironolacton können die Erektionsfähigkeit stören. Eine Diskussion über medikamentöse Alternativen und eine Nutzen-Risiko-Abwägung in Bezug auf die Grunderkrankung muss hier geführt werden [4]. vh

 

1.    Krähenbühl S: Unerwünschte Arzneimittelwirkungen – Definitionen, Einteilung, Risikofaktoren und Pharmakovigilance. Ther Umsch 2105; 72: 669-671.
2.    Malinovska A, Bingisser R, Nickel CH: Notfall-Präsentationen von älteren Erwachsenen mit unerwünschten Arzneimittelwirkungen. Ther Umsch 2105; 72: 673-677.
3.    Arnet I, Seidling HM, Hersberger KE: Unerwünschte Arzneimittelnebenwirkungen in der Offizinapotheke. Ther Umsch 2105; 72: 687-692.
4.    Taegtmeyer AB, Krähenbühl s: Sexuelle Klagen im Zusammenhang mit Medikamenten. Ther Umsch 2105; 72: 711-715.


Ausführliches über dieses Thema finden Sie in der Fachzeitschrift Therapeutische Umschau

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