Krafttraining: von der Kriegstauglichkeit hin zum medizinischen Konzept

Krafttraining war schon bei den alten Ägyptern en vogue. Damals diente es neben der Ästhetik der Vorbereitung auf kriegerische Ereignisse oder Sportspektakel, heute sind es vorwiegend ästhetische Ansprüche und die Erkenntnis, dass Krafttraining auch als Therapie einsetzbar ist.

 

Der Mensch war schon immer eitel. Bereits 3600 v. Chr. trainierte der chinesische Kaiser Yu Kang Chi aus ästhetischen und gesundheitlichen Gründen täglich mit Steinhanteln. Auch auf ägyptischen Grabmalereien von ca. 3400 v. Chr. gibt es Zeichnungen mit Bodybuilding-ähnlichen Szenen. Im westlichen Kulturkreis war das antike Griechenland massgeblich am Aufbau des Wissens bezüglich Trainingslehre und Hygiene beteiligt. Damals diente die körperliche Ertüchtigung dazu, die «Kriegstauglichkeit» der Soldaten zu steigern, denn Kriege wurden durch die Wahl der Waffen und die bessere Fitness der Kämpfenden entschieden.

Auch Sportspektakel kannten die Griechen. Die bekanntesten waren damals die Olympischen Spiele, deren Siegerlisten bis ins Jahr 776 v. Chr zurückreichen. Es gab zwei Kategorien sportlicher Wettkämpfe: die hippischen mit Pferd- und Wagenrennen und die gymnischen mit Leichtathletik- und Kampfsportarten. Zur Vorbereitung auf die Spiele trainierten die Berufsathleten, die bei einem Sieg Privilegien und Steuervergünstigungen erhielten, in speziellen Wettkampf- und Übungsanlagen, den sogenannten «Gymnasien». Kraftübungen waren dabei zentral. Dazu diente das Tragen schwerer Lasten, das Stemmen von Steinscheiben und -hanteln, das Verbiegen von Eisenplatten oder das Ziehen von Pflügen. Die Athleten trainierten nackt. Weibliche Zuschauerinnen waren mit Ausnahme unverheirateter Frauen ausgeschlossen.

Mit dem Niedergang der hellenistisch-römischen Kultur und dem Aufkommen des Christentums rückte das Jenseits ins Zentrum der Aufmerksamkeit und drängte den diesseitsverhafteten Körper in den Hintergrund. Im Mittelalter waren kraftbetonte Spiele wie z.B. Kleiderringen oder Steinwettstoss bei der bäuerlichen Unterschicht beliebt. Die Vorbereitung darauf stand aber nicht so im Vordergrund wie in der Antike.

Diversifizierung dank Siegeszug der Wissenschaft
In der Renaissance im 14.-16. Jahrhundert entzog sich die Wissenschaft der theologischen Aufsicht, was dazu führte, dass physische Exerzitien nicht nur militärischen Zwecken dienten, sondern nun auch der Gesundheitsförderung. In der Mitte des 16. Jahrhunderts begannen progressive Privatschulen in Frankreich und Deutschland, die physische Erziehung durch Krafttraining als Teil einer effektiven und umfassenden Ausbildung zu betrachten. Die Aufklärung im 17./18. Jahrhundert trug zur Verbreitung das ihre dazu bei. Johann B. Basedow (1723-1778) eröffnete eine Akademie für vertieftes Studium der Leibeserziehung und war damit einer der ersten modernen Autoren für Gymnastik, die zu dieser Zeit ungefähr dem heutigen Verständnis von Krafttraining entspricht. Zu jener Zeit wurde auch der therapeutische Nutzen des Krafttrainings zunehmend wichtig.

«Apparate» für medico-mechanistische Heilgymnastik
Die medico-mechanistische Heilgymnastik kam während des 1. Weltkrieges zum Einsatz. In der nachfolgenden Zeit wurden zunehmend «Apparate» entwickelt, mit deren Hilfe sich einzelne Körperteile maschinell mobilisieren oder trainieren liessen. 1911 gab es in Deutschland 79 Zander-Institute, benannt nach dem Namen des «Apparatebauers». Seine Apparaturen wurden weltweit zur Kräftigungstherapie in Krankenhäusern, Kurhotels und Passagierschiffen eingesetzt.

Trainieren statt schonen
Der Boom der Fitnessbranche begann in den 1960er Jahren in den USA und schwappte später nach Europa. Die Erforschung negativer Auswirkungen fehlender physischer Belastung auf die Gesundheit löste in der Mitte der 1960er -70er Jahre ein Umdenken in der Behandlung von Herzinfarktpatienten aus: von absoluter mehrwöchiger Bettruhe hin zur Frühmobilisierung, Bewegungstherapie und zum körperlichen Training in der Rehabilitation. Ähnliche Paradigmenwechsel erfuhren mittlerweile auch andere Krankheitsbilder wie Rückenschmerzen, Depression, etc.

Progressives Krafttraining trat mit der Entwicklung der Nautilus-Trainingsmaschinen durch Arthur Jones einen regelrechten Siegeszug an. Aus diesen entstand die computergesteuerte Maschinenserie MedX für medizinisch-therapeutische Zwecke. Werner Kieser, ein bekannter Name in dieser Branche, gründete 1967 sein erstes Sportstudio und rüstete es mit Nautilus- und später auch mit MedX-Maschinen aus. Heute im präventiven und therapeutischen Bereich tätig, ist das Kieser Training in der Schweiz, Österreich, Deutschland, Luxemburg und Australien mit rund 140 Studios vertreten.
Informieren Sie sich über die Möglichkeiten dieser Therapie im unten aufgeführten Buch.
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Werner Kieser: Krafttraining in Prävention und Therapie. Grundlagen – Indikationen – Anwendungen. 2. Aufl. Bern; Hogrefe Verlag: 2015.

 

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