Gerontologie: ein Interview

Interview mit Helen Güther und Hermann Brandenburg

«Die Freiheit, sein eigenes Leben und nicht das von jemand anderem zu leben, für andere und bezogen auf andere zu leben, ein volles Menschenleben bis zum Ende zu führen» (Martha Nussbaum)

 

 

Im November 2015 erschien im Hogrefe Verlag, Bern das neueste Buch von Prof. Dr. Hermann Brandenburg als Autor und gemeinsam mit Helen Güther als Herausgeberteam. Das Lehrbuch Gerontologische Pflege ist ein Konzentrat von Beiträgen wissenschaftlicher Perspektiven, Disziplinen und Diskussionen um die Pflege und Betreuung alter Menschen. Brandenburg ist Inhaber des Lehrstuhls Gerontologische Pflege an der Philosophisch-theologischen Hochschule Vallendar und Dekan der Pflegewissenschaft der Fakultät. Güther ist seine Kollegin und Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl. Gerontologie und Pflegewissenschaft sind die beiden Disziplinen, derer sie sich bedienen, um das Älterwerden pflege- und hilfebedürftiger Menschen zu analysieren und zu beschreiben. Das Lehrbuch dient Studierenden der Gerontologie und der Pflege gleichermaßen, wird aber auch jene aus Wissenschaft, Lehre und Praxis in Bann ziehen, die sich eine differenzierte, kritische, theoriebasierte Aufarbeitung dieser unumgänglichen und besonderen Lebensspanne wünschen.

Gerontologie und Pflegewissenschaft

«Alt werden ist nichts für Feiglinge», konstatierte einst der Showmaster Joachim Fuchsberger und meinte damit die dauerhafte Arbeit am eigenen Leib im Umgang mit den Wirkungen des Alterns. Demnach ist es also mutig, sich dem Altern zu stellen – wo doch keine Alternative in Sicht ist. Gesellen sich zu den «normalen» Veränderungen, die Fuchsberger meinte, jene progredient verlaufenden Prozesse chronischer Erkrankung mit Pflegebedürftigkeit, verändert sich der Alltag in einem Maße, dass eine soziale Teilhabe erschwert wird. Auch das Alter stößt an die Mauer von Normalität und Normativität unserer leistungsorientierten Gemeinschaft. Immer noch dominieren in Pflege und Gesellschaft negative Bilder vom Alter, die in erster Linie auf die Verluste und Defizite aufmerksam machen, die den alten Menschen daran hindern, ein gutes Leben in der Normalitätszone unserer Gesellschaft zu leben. Diese Sicht prägt demnach auch den Umgang der professionellen Mitarbeitenden mit ihnen. Was das gute Leben ist, kann sicherlich durch wissenschaftliche Disziplinen in seinem Gehalt analysiert und erläutert werden, liegt jedoch letztlich ausschließlich in den Augen des Betrachters selbst. Brandenburg und Güther (2015) analysieren in Kapitel 3 des Lehrbuches einige anschlussfähige philosophische Erkenntnisse, die ihre eigene Sicht auf das Alter stützen und schlussfolgern, die Analyse der Lebenschancen stärker zu konzeptualisieren. Sie differenzieren dabei die Lebenschancen im Alter

  • durch eine personenzentrierte Pflege: von einer Fixierung an Aufgaben zu einer Hinwendung personalisierten Verstehens
  • durch gesellschaftliche Teilhabe: von einer starren Organisationstruktur zu einem flexiblen Gestaltungsraum in Institutionen der Langzeitpflege

Daraus ergeben sich Forschungsfelder zur subjektiven Perspektive der Betroffenen mittels einer partizipativen (aktivierenden) Forschung; zu sozial-kommunikativen Verständigungsprozessen als einem Dialog zwischen Pflegenden und Pflegeempfängern und zu Kontextfaktoren des rechtlichen und gesellschaftspolitischen Rahmens. Auf die Frage nach dem Wert der Lebensspanne Alter antworten sie unter anderem: «Wichtig ist, dass das Leben einen Sinn hat, und zwar gerade, weil es begrenzt ist. Die Grenzen werden uns insbesondere im Alter aufgezeigt. Wir brauchen die Philosophie, die sich seit jeher mit der Frage nach dem guten Leben auseinandergesetzt hat. […]. Wichtig ist […] nicht nur die Auseinandersetzung mit sich selbst, sondern die grundlegende Beschäftigung mit gesellschaftlichen und kulturellen Vorstellungen hinsichtlich eines guten Lebens und guten Alterns […].»

Lesen Sie das ganze Interview mit Helen Güther und Hermann Brandenburg und erweitern Sie Ihre Sicht auf das Alter mit dem differenzierten Buchprogramm des Hogrefe Verlags, Bern. bm

 

 

 

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