Schulische Inklusion

 

Herausforderungen und Chancen

Seitdem in Deutschland die UN-Behindertenrechtskonvention 2009 ratifiziert worden ist, hat die Diskussion um ein "inklusives Bildungssystem" deutlich an Fahrt aufgenommen. Dabei ist das Verständnis davon, was Inklusion bedeutet, durchaus nicht einheitlich. Für die einen bedeutet Inklusion, dass Kinder mit und ohne sonderpädagogischen Förderbedarf gemeinsam in Regelschulen unterrichtet werden. Für andere ist Inklusion erst realisiert, wenn allen Lernenden gleiche Bildungschancen unabhängig von ihren Voraussetzungen und Lebenslagen eröffnet werden und dabei auf eine Etikettierung als behindert verzichtet werden kann, weil jede/r individuell gefördert wird. Inklusion ist eine große Herausforderung für ein leistungssegregiertes Bildungssystem, das auf der Idee von leistungshomogenen Lerngruppen basiert. In Deutschland werden bislang nur etwa 30% der Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf mit Kindern und Jugendlichen ohne sonderpädagogischen Förderbedarf unterrichtet.

Die Frage, die sich für die psychologische Forschung stellt, ist, wie die Akteure im Schulsystem Inklusion erleben, um Ansatzpunkte für die gelingende Umsetzung des politisch gewollten Prozesses zu erhalten. In der Forschung wurde bislang vor allem betrachtet, wie sich die Lernleistungen, das schulische Selbstkonzept und das Wohlbefinden  von Schülerinnen und Schülern mit und ohne sonderpädagogischen Förderbedarf im gemeinsamen Unterricht im Vergleich zum segregierten Unterricht entwickeln. Darüber hinaus wurden Einstellungen von Eltern und Lehrkräften zum gemeinsamen Unterricht untersucht.

Die Ergebnisse aus früheren regional begrenzten Studien der 80er Jahre und neueren umfassenderen Studien weisen darauf hin, dass es für Kinder und Jugendliche mit Lernbehinderungen für ihre Leistungen vorteilhaft ist, wenn sie integrativ beschult werden. In Bezug auf ihre soziale Integration sind die Befunde gemischt. Sie machen aber deutlich, dass die Aktivität der Lehrkraft gerade für die soziale Integration eine große Rolle spielt. Eltern und Lehrer sind grundsätzlich der Integration eher positivgegenüber eingestellt, sehen aber deutlichen Bedarf für die Ausbildung der Akteure für den gemeinsamen Unterricht und an personellen Ressourcen.

Auf dem Weg zu einem inklusiven Bildungssystem gibt es in Zukunft noch viel zu tun. Die Entwicklung im gemeinsamen Unterricht von Kindern und Jugendlichen mit anderen Förderbedarfen als der Lernbehinderung muss systematisch in den Blick genommen, die Aus- und Weiterbildung der Akteure für Inklusion vorangetrieben und Diagnoseprozesse müssen vereinheitlicht werden. Forschungsansätze müssen der Komplexität der Interaktionen von Personen- und Umweltbedingungen gerecht werden. Hochschulen und Wirtschaft müssen sich dem Inklusionsgedanken öffnen, um lückenlose Bildungskarrieren für alle Kinder und Jugendlichen zu gewährleisten.

von Bärbel Kracke

Der Originalartikel "Schulische Inklusion – Herausforderungen und Chancen" kann online eingesehen werden.

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